Folgen ritueller Gewalt


Überlebende ritueller Gewalt berichten von zahlreichen Folgen im Alltag, durch die sie durch die rituelle Gewalt eingeschränkt sind und täglich daran erinnert werden. Ein großer Teil Überlebender ritueller Gewalt ist aufgrund der erlittenen Gewalt dauerhaft erwerbsunfähig und im Alltag stark eingeschränkt.


Die häufigsten Folgen sind:


  • Dissoziative Identitätsstörung

  • Posttraumatische Belastungsstörung

  • Schlafstörungen und Alpträume

  • Flashbacks

  • Essstörungen

  • Körpererinnerungen mit Schmerzen

  • Suizidale Gedanken bei Programmierungen und an Feiertagen und Geburtstagen

  • Überlebensschuld

  • generalisierte Ängste

  • Hypervigilanz

  • permanent erhöhter Stresspegel

  • Selbstverletzendes Verhalten

  • Depressionen

  • Angst vor Ärzten, Zahnärzten, Krankenhäusern, Polizisten, Gefängnissen

  • Autoimmunerkrankungen

  • Migräne Kopfschmerzen

  • Probleme mit Programmen die die Täter auslösen


Aussteige-Folgen


Befindet sich die Überlebende im Aussteige-Prozess, können zusätzliche Folgen dazu kommen. Der Aussteige-Prozess dauert mindestens einige Jahre ab Ausbruch aus dem Kult, bis Jahrzehnte. Einige Opfer ritueller Gewalt trauen sich als Jugendliche oder Erwachsene dem Kult zu entfliehen und schaffen dies mit Hilfe von jahrelanger Psychotherapie und Ausstiegsbegleitung langfristig. Bis die Überlebende jedoch „frei“ leben kann, hat sie zuerst eine Odyssee des Kults zu überstehen: Bricht die Überlebende aus dem Kult aus und bricht den Kontakt ab, hat der Kult eine Menge zu verlieren. Aus Angst die Überlebende könnte über die illegalen Taten sprechen, sie öffentlich machen und damit die Täter entlarven, versuchen die Täter die Überlebende zum Schweigen zu bringen und zur Rückkehr zu bewegen. Diese Vorgehensweise des Kults gegenüber Aussteigern läuft nach einer Hierarchie des Kults ab, die von bloßer Kontaktaufnahme des Kults zur Rückgewinnung des Aussteigers, über Versuche die Überlebende zum Schweigen zu bringen, hin zu Bedrohung, Gefährdung, Auslösen von Selbstzerstörungs- und Selbstmordprogrammen bis hin zu Mord, der meist als Unfall oder Suizid getarnt ist reicht:


Kontaktaufnahme des Kults mit der Überlebenden mit dem Ziel den Aussteiger zur Rückkehr zu bewegen, zum Schweigen zu bewegen oder zum Selbstmord zu treiben:

  • durch Telefonanrufe (häufige Telefonanrufe, auch nur klingeln, meist 2 oder 3 Mal und dann wieder auflegen bis zu 20 Mal täglich)

  • Telefonanrufe mit Code-Wörtern, Hörsignalen oder Melodien

  • Briefe

  • Emails

  • Familienmitglieder (die auch im Kult sind) des Aussteigers werden angehalten wieder Kontakt zum Aussteiger herzustellen

  • es wird versucht Kultmitglieder in den Alltag des Aussteigers z.B. Beruf, Wohnsituation oder auch Selbsthilfegruppe einzuschleusen

  • Programme lösen Selbstzerstörungsprogramme oder Suizidprogramme aus, die nicht auf den Suizid zielen, sondern auf eine Einweisung des Aussteigers durch Therapeuten oder Hilfspersonen in die Psychiatrie. Hier nehmen Kultmitglieder als Ärzte, Krankenpfleger oder Besucher Kontakt zu dem Aussteiger auf

  • Kultmitglieder beobachten die Wohnung des Aussteigers und hinterlassen Symbole die triggern sollen

  • Kultmitglieder fahren an der Wohnung des Aussteigers vorbei mit bestimmter lauter Musik, Geräuschen oder Tonabfolge wie z.B. hupen, was Programme bei dem Aussteiger auslösen soll

  • Anbieten von (Schweige-)Geld

  • Briefkasten wird von dem Kult überwacht und Post geöffnet

  • Kultmitglieder lauern dem Aussteiger in der Öffentlichkeit z.B. auf der Straße auf und lösen durch Gesten oder Worte, die für Außenstehende beiläufig wirken, Programme aus

  • es wird in die Wohnung des Aussteigers eingebrochen und kaum etwas gestohlen

  • die Täter legen tote Tiere vor die Haustür des Aussteigers

  • Autoreifen des Aussteigers werden zerstochen und Bremsen manipuliert

  • das Auto des Aussteigers wird von der Straße abgedrängt



Therapeuten und all diejenigen die mit Überlebenden arbeiten, sollten wissen, dass die Täter versuchen werden, bei einem Ausstieg den Überlebenden zu kontaktieren.


Symbole und Daten


Für Überlebende ritueller Gewalt können bestimmte Symbole triggern und dadurch im alltäglichen Leben Flashbacks oder Programme auslösen. Diese Symbole können von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich sein, im Folgenden werden die häufigsten triggernden Symbole zusammengefasst. Für Überlebende und ihre Helfer und Therapeuten bedeutet dies, die Symbole zu kennen und die Überlebende muss sich ihrer Wirkung bewusst sein, um den Triggern entkomen zu kommen:


  • Pentagramm, umgedrehtes Kreuz, Hakenkreuz, Sonne, Zahlen 666 oder 66, Zahlen mit mehreren 3, 6, 7, 9 oder 11, Evil Eye, Mann mit Hörnern, Buchstaben wie SS, bestimmte Farben

  • Pyramide mit einem Auge in ihr, Kreuz, meist schwarze Roben, Davidsstern, Lebensbaum (Kabbala), Rosen, Buchstaben, Zahlen oder Wörter rückwärts gelesen, Nadeln, Messer, Feuer, SM-Zubehör, Vollmond, Uniformen

  • tote Tiere und Menschen, Friedhöfe, Beerdigungen, Särge, christliche Symbole, Nazi-Symbole, Hexen, Geister, Satan, Halloween, Keller

  • Clowns, Weihnachtsmann, Masken, Zeichentrickfiguren, Der Zauberer von Oz, Alice im Wunderland, bestimmte Lieder, Star Wars, Akte X, Fantasiefilme, andere Disney-Filme



Bestimmte Feiertage innerhalb des Kults können auch noch nach Ausstieg aus dem Kult für die Überlebenden Krisentage bedeuten. Die Feiertage sind von Kult zu Kult unterschiedlich. Häufig bedienen sich Kulte christlicher, satanischer, staatlicher und Nazi Feiertage. Für Überlebende ritueller Gewalt haben häufig auch eigene Geburtstage, sowie die von Familienangehörigen und hohen Kultmitgliedern eine negative Bedeutung.



Vgl. Fliß, Claudia, Igney, Claudia (Hrsg.) (2010):Handbuch Rituelle Gewalt.Erkennen - Hilfe für Betroffene - Interdisziplinäre Kooperation.

Vgl. Miller, Allison (2011): Healing the unimaginable: Treating Ritual Abuse and Mind Control. Karnac Books, England.